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SHORT CUTS
 
E- Planning - virtuelle Stadtplanung

E-Planning - Virtuelle Stadtplanung im Internet 3D-Spaziergang auf dem PC
von Dr. Holger Rescher

Daumen hoch oder Daumen runter. Wenn eine seit Jahren dahinsiechende Brache in der Innenstadt mit Leben gefüllt werden oder eine unge-nutzte Bahnfläche einer neuen Nutzung zugeführt werden soll, dann stößt dies meist auf verhaltenes Bürgerinteresse. Die Vermittlung der Planung ist oftmals zum Scheitern verurteilt. Bebauungs-pläne beinhalten Kürzel und Symbole, die der Bürger nicht versteht, und der Weg ins Rathaus, wo die Pläne für eine begrenzte Zeit ausliegen, ist vielen zu ungewohnt und zu weit. Kurzum - wenn die Kinder zu Hause den Gameboy in bester 3D-Graphik navigieren, dann reicht auch den Eltern ein Plan an der Wand oder eine Schwarz-Weiß-Folie in der Bürgerversammlung nicht mehr aus, um städtische Planung zu verstehen.

Die direkte Bürgerbeteiligung im Internet ist neu, ein bisher noch weitgehend unbestelltes Feld. Nicht, dass der Wille in den Städten nicht vorhanden wäre - hier fehlt es an Geld, an Zeit und an Personal. Einige größere Kommunen haben in Eigeninitiative begonnen, ihre Bebauungspläne ins Netz zu stellen, angereichert mit allgemeinen Informationen zum Planungsstand, Verfahren etc.. Was der interessierte Bürger in Zeiten multimedialer Berieselung jedoch erwartet und er-warten kann, fehlt gänzlich: die realitätsnahe Anschauung im virtuellen Raum, das von allen Seiten begehbare Objekt und der spielerische Umgang mit Planungsvarianten. Was bisher nur in Pilotprojekten in Berlin (www.e-berlin.de), Hamburg (www.hafencity.com) und Darmstadt (www.citimage.de/017) virtuell adäquat aufbereitet wurde, sollte nun auch bei kleineren Planungsvorhaben möglich werden.

Im Rahmen des Experimentellen Wohnungs- uns Städtebau (ExWoSt) führt das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) derzeit ein "Planspiel Innenstadt" durch. Im Vordergrund des "Planspiel Innenstadt" stehen innovative Ansätze zur Entwicklung der Innenstadt vor dem konkreten Verwaltungs- und Finanzie-rungshintergrund der Stadt. In den beiden Planspielstädten - Celle und Halle- arbeiten in Projektgruppen Personen aus Einzelhandel, Kultur, Wirtschaft, Politik, Verwaltung und interessierter Öffentlichkeit zusammen, die sich aktiv für spezifische Problemlösungen einsetzen. Das Projekt "Virtuelle Stadtplanung im Internet" (www.virtuelle-stadtplanung.de) ist an das Planspiel Innenstadt angebunden, um die neuen Medien in einen aktiven Planungsprozeß einbinden zu können.

Interaktives Konzept

Um die in den Projektgruppen vorgeschlagenen und geplanten städtebaulichen Vorhaben anschaulich darzustellen, wird im Projekt "Virtuelle Stadtplanung im Internet" erstmals der zeitnahe Einsatz einer Computersimulation (Projektbetreuung durch Herrn Dr. Holger Rescher von der DV - Gesellschaft des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung mbH, Realisierung durch die Firma SHORT CUTS, Berlin www.short-cuts.de) im Rahmen einer erweiterten Bürgerbeteiligung erprobt. Die visuelle Darstellung der Planungsvarianten, z.B. einer veränderten Ver-kehrsführung oder neuen Nutzung des Platzes (siehe Abbildung), erfolgt dreidimensional in Form eines von allen Seiten und Sichtweisen virtuell begehbaren Modells. Im Zentrum steht dabei das 3D-Modell eines Platzes in Celle, welches quasi als Bühne für die neuen Ideen und Ergebnisse der Projektgruppen dient. Diese können mit dem Einsatz des Computermodells trans-parent gemacht und in einem Internet-Meinungsforum der planenden Verwaltung sekundenschnell übermittelt werden.

Das interaktive Konzept des Projektes ist sich den unterschiedlichen Kenntnisständen der Internet-nutzer bewußt und zielt daher darauf ab, parallel unterschiedliche Nutzertypen anzusprechen. Hierzu zählt der neugierige, spielerische Nutzer, der hier und da mal ein Szenario betreten wird und es ausprobieren will, der angezogen ist von spektakulären Ideen, die er dann im Video be-trachten kann. Hierzu zählt auch der "erprobte" Nutzer, der die Möglichkeiten der Interaktion im VR-Modell ausschöpfen und sich im virtuellen Raum bewegen will. Und hierzu zählt auch der Fachmann und Forschende, der mit dem Projekt vielleicht bereits vertraut ist und Anregungen für seine städtebaulichen Projekte sucht. Ihn interessieren die Akzeptanz und Machbarkeit von Vorhaben. Die Hintergrundinformationen zum Projekt kann er im Internet abrufen oder über E-Mail anfordern.

Meinungsforum

Im Meinungsforum können die realitätsnah dargestellten Planungsalternativen vom Inter-netbenutzer beurteilt werden und die favorisierte Planungsidee den Verantwortlichen per E-Mail übermittelt werden. Das Forum wird somit zu einem zentralen Kommunikationsinstrument. Alle Beteiligten aus den unterschiedlichsten Bereichen können das Projekt in Augenschein nehmen, aus vorgegebenen Gestaltungsvorschlägen auswählen und diese individuell zusammenstellen. Die Datenbank liefert in Form von Hochrechnungen und anschaulichen Graphiken ein Feedback über die präferierten Planungsvarianten der Besucher der Internetseite.

Noch fristet die Stadtplanung verglichen mit anderen politischen Feldern ein Schattendasein. Breite Bevölkerungsgruppen bleiben in der doch eigentlich im allgemeinen Städtebaurecht in §3 BauGB festgelegten Bürgerbeteiligung außen vor. Ein Umdenken in der Präsentation von städtebaulichen Vorhaben hat eingesetzt, weg von schwer verständlichen städtebaulichen Plänen in der Bürgerversammlung hin zu leicht verständlichen 3D-Simulationen mit möglichst interaktiven Elementen. Computersimulationen, wie sie im Projekt "Virtuelle Stadtplanung im Internet" erprobt werden, sind für den Einsatz in der Praxis wegweisend. Diese neue Form der dreidimensionalen Stadtplanung mit Bürgermit-wirkung beginnt sich durchzusetzen und hat Zukunft.