computersimulation & webdesign
SHORT CUTS
 
E- Planning - virtuelle Stadtplanung
Einsatz von VRML-Modellen und Beteiligungsformen im Internet
Autor: Martin Permantier SHORT CUTS © 7/2001

"Huch, wie sieht denn das Gebäude aus, im Modell wirkte der Bau ganz anders". Diesen Satz konnte man in letzter Zeit im Zusammenhang mit den Berliner Regierungsbauten in vielen Zeitungen lesen. Viele Beteiligte fühlten sich nicht richtig informiert, obwohl sie über lange Zeit Pläne und Anschauungsmodelle zur Verfügung hatten. Wie kommt das?

Für Investitionen in der Immobilienwirtschaft kann so eine Reaktion zukünftiger Nutzer fatal sein.

Eine erfolgreiche nachhaltige Stadtentwicklung und Immobilienwirtschaft kann nur dann Erfolg haben, wenn viele der Beteiligten und zukünftige Nutzer in die Planung mit einbezogen werden. Die Welt der Pläne erschließt sich jedoch nur wenigen Fachleuten und auch Modelle verlangen immer noch einen hohen Grad an Vorstellungskraft. Zudem sind diese Unterlagen oft nicht frei zugänglich oder deren Ausstellung und Vervielfältigung ist mit hohen Kosten verbunden. Die Offenlegung einer Planung bietet selten Gelegenheit für ein direktes Feedback der Beteiligten.
Die Kommunikationsplattform der Zukunft ist das Internet. Warum also nicht Planungen dort ausstellen? Nur, wie stellt man große Papierpläne anschaulich ins Netz?

E-Planning nutzt eine Kombination von vorhandenen Simulations-Technologien, um dieses Problem zu lösen. Grundlage dieser Darstellungsformen ist die Erstellung eines dreidimensionalen Computermodells, der Gebäude und die fotografische Erfassung der Umgebung. Die Originalfotografien werden auf das 3D-Modell übertragen. Von dieser künstlichen Welt werden Einzelbilder berechnet. Diese stellen das einfachste Mittel der Visualisierung dar. Ferner können QuicktimeVR-Bilder erzeugt werden, das sind 360° Panoramabilder. Diese erlauben von vorher festgelegten Standpunkten Rundumblicke. Zusätzlich werden kurze 3D-Animationen berechnet, die in ISDN-Komprimierung auch internetfähig sind. Die vierte Darstellungsform ist das VRML-Modell (virtual reality markup language). Dabei handelt es sind um ein begehbares 3D-Modell. Der Besucher der Internetseite kann mit einem Viewer, der kostenfrei als Plugin erhältlich ist, Standpunkte und Betrachtungswinkel selbst festlegen. Diese Technik erlaubt es außerdem, Planungen dreidimensional abzubilden und frei hindurch zu navigieren. Das heißt, jeder kann sich aus allen Blickwinkeln, über das Bauvorhaben informieren und er kann Varianten dazuschalten oder weglassen. Dadurch ist eine maximale visuelle Überprüfbarkeit der Planungen durch große Nutzergruppen garantiert. Die Darstellungsmethoden können für Off- und Onlineanwendungen genutzt werden.

Erstmalig in Deutschland wurde dieses Konzept bei einem Planungsvorhaben in Celle eingesetzt. Innerhalb des Forschungsprojektes Planspiel-Innenstadt wurde von einem Forum, bestehend aus Architekten, Städteplanern, Politikern, Geschäftsleuten und interessierten Bürger, eine Planung zur Neugestaltung des Stadtplatzes Stechbahn im Herzen von Celle erarbeitet. Dieser soll zum "Schmuckkästchen" von Celle werden. Der Abstimmungsprozeß wurde mit einer Computersimulation begleitet und die Gestaltungsvorschläge mit den Beteiligten abgestimmt. Auf dieser Grundlage konnten zügig Entscheidungen getroffen werden. Es wurden in gemeinsamen Sitzungen 6 Gestaltungsvarianten festgelegt, dann als 3D-Modelle umgesetzt und in die 3D-Simulation des Platzes eingefügt.

Präsentiert wird das Projekt unter der Webadresse www.virtuelle-stadtplanung.de . Durch eine Vorortveranstaltung und Veröffentlichungen in der Lokalpresse wurde das Projekt publik gemacht. Schon in der ersten Woche hatte das Portal 35.000 Zugriffe von ca. 1400 Besuchern. Diese Zugriffszahlen blieben stabil in diesem Bereich. Etwa 2/3 der Besucher benutzten zur Information das VRML-Modell. Täglich 200 Leute mit Videos, Modellen, Infos und allen Planungsvarianten zu versorgen, ist eine Informationsleistung, die man auf konventionellem Wege kaum hätte leisten können. Es hat sich auch gezeigt, dass die visuelle Präsenz einer Idee den Wunsch nach deren Durchführung sehr positiv beeinflusst.
Die Erkenntnisse und Überzeugungen die der Einzelne hier gefunden hat kann er direkt in Form einer Stimmabgabe in das Meinungsforum einfließen lassen. Er erhält anhand der Auswahl der Varianten ein erneutes visuelles Feedback und nach der Abstimmung einen Überblick über die bereits angegebenen Stimmen. Diese werden nach Prozent- und Gesamtzahl geordnet und automatisch in einer zentralen Datenbank erfasst. Zirka 15% der User gaben auch eine Stimme im Meinungsforum ab.
Die verschiedenen Darstellungsformen werden den Ansprüchen unterschiedlicher Nutzertypen gerecht. Der Spielerische findet schnell in den Filmen einen Überblick, der Neugierige schaut hier und da vorbei, probiert einen QuicktimeVR-Panoramablick aus und findet immer wieder neue Möglichkeiten, die Planung zu studieren, den Fachmann interessiert der Gesamtkontext der Planung und der Forschende erprobt die Szenarien in dem interaktiven 3D-Modell selbst.

Planungen mit diesem Konzept durchzuführen ist bis jetzt einmalig. Investitionssicherheit und Nachhaltigkeit ist nur durch das Zusammenwirken von Vielen zu gewährleisten. Zu dem sind die Kosten bezogen auf die Größe der Nutzergruppen sehr gering. Die Beratungen sind weder ort- noch termingebunden. Mit E-Planning kann schneller und umfassender geplant, koordiniert und informiert werden. Es wird zu einem Entscheidungsbeschleuniger.

Zusätzlich macht die visualisierte Planung den Einstieg in die Vermarktung bei Bauprojekten sehr einfach. So kann das E-Planning auch direkt zum Verkauf oder zur Vermietung genutzt werden. Das Objekt kann visuell betreten werden, noch ehe es gebaut ist. Innerhalb des VRML-Modells können direkte Links auf Webseiten gelegt werden. So gibt es jetzt in Celle die Überlegung das VR-Modell auf weitere Bereiche der Innenstadt auszudehnen und die Geschäfte damit zu vernetzen. Der Investitionsbedarf liegt bei ca. DM 500,-/Geschäft. Das Internet wird hier so zum echten Kommunikationsmittel und die Stadt schafft sich und Ihrer Wirtschaft eine gemeinsame Marketing- und Planungsplattform.